Feines, geruchloses Mandelöl fliesst in Melanies Handmulde. Während sie das Öl vorsichtig in beiden Händen verreibt, spricht sie sanft mit Jonas, ihrem sechs Wochen alten Baby, und erklärt ihm, dass sie nun gerne seine Beine und Füsse massieren möchte. Melanie spürt, wie ihre Hände dabei warm werden.
Behutsam nimmt sie über den Tastsinn Kontakt mit Jonas auf, indem sie ihre Hände auf seine Beine legt. Dabei blickt sie ihm liebevoll in die Augen und fragt: „Mit welchem Bein soll ich anfangen?“ Sie achtet aufmerksam auf seine Impulse – auch wenn Jonas die Worte seiner Mama noch nicht versteht, wird er mit wachsendem Bewusstsein eines Tages bewusst auf solche Fragen reagieren.
In der I.A.M.I.®-Babymassage sprechen wir von respektvoller Kommunikation mit dem Baby.
Melanie nimmt nun sanft eines seiner Beinchen in ihre Hände und beginnt, mit ruhigem Druck die Haut ihres Babys zu streichen und zu massieren. In diesem fürsorglichen Moment erleben beide, wie sich Jonas’ Muskulatur und die Hände von Melanie entspannen – und wie sich gleichzeitig ihre Bindung vertieft.
Advent eine sinnliche Zeit
Ein Familienritual mit Bedeutung
In unserer Familie ist es ein festes Ritual, dass wir den Christbaum am Samstag vor dem 1. Advent holen und ihn am 1. Advent gemeinsam aufstellen und schmücken. Ich weiss, dass wir damit nicht der ursprünglichen Tradition folgen: Der Advent war früher eine Fasten- und Besinnungszeit – vergleichbar mit der Fastenzeit vor Ostern. Glitzer, Glanz und Gloria wurden bis zum Weihnachtstag aufgespart. Ich verstehe und schätze diese Tradition, die in vielen Familien und Kirchgemeinden noch bewusst gelebt wird. Und trotzdem – für uns beginnt mit dem geschmückten Baum die besondere Zeit des Wartens und der Vorfreude.
„Wann schmückt ihr euren Baum?“ oder „Wie beginnt bei euch die Adventszeit?“

Erinnerungen, die duften und glänzen
Wenn wir den Christbaum ins warme Wohnzimmer holen und aufstellen, breitet sich dieser ganz besondere Tannenduft aus. Er erinnert mich an vergangene Adventszeiten – an all die Jahre, in denen wir bereits einen Baum aufgestellt haben.
Während wir die Kisten öffnen, den Schmuck betrachten und Stück für Stück mit den Händen herausnehmen, schweben wir in Erinnerungen. Wir kommen ins Gespräch, erzählen einander Geschichten, die wir mit bestimmten Stücken verbinden. Da ist der alte Weihnachtsbaumschmuck, der mich an meinen Göttibueb erinnert – damals noch klein, heute ein erwachsener Mann. Ein Stern, den meine Tochter im Kindergarten gebastelt hat. Die goldenen Drahtkugeln bringen mich jedes Jahr zurück zu den Tagen, als wir gemeinsam mit meiner Mutter nach Weihnachten zum Schlussverkauf in den Globus gingen und Weihnachtsschmuck im Sale kauften.
So verweben sich alte und neue sinnliche Erinnerungen – und verbinden uns als Familie in der Vergangenheit und in der Gegenwart.

Mit allen Sinnen verbunden
Während wir mit unseren Händen Kugeln festhalten, Teig kneten, den Duft von Anis und Tannennadeln riechen, Kerzenlicht sehen, Adventsmelodien lauschen und unsere Kinder umarmen, spüren wir: Es ist eine intensive, reiche Zeit.Unsere Sinne machen es möglich, uns an längst vergangene Erfahrungen zu erinnern. Sie sind wie Brücken – verbinden uns mit früheren Momenten, mit Menschen, mit Gefühlen.
So tief sind unsere Sinne daran beteiligt, dass wir uns miteinander verbunden fühlen – über Generationen, Zeiten und Räume hinweg.
Bindung über die Sinne
Die erste Wurzel der Beziehung
Dr. Gordon Neufeld, ein kanadischer Entwicklungspsychologe, beschreibt in seinem Bindungsansatz, dass Kinder ihre Bindungswurzeln in den ersten sechs Lebensjahren entwickeln – Schritt für Schritt, von einfach zu komplex. Die Bindungsstufen bauen aufeinander auf, keine kann ausgelassen werden.Die erste Stufe nennt Neufeld: „Bindung über die Sinne“.
Das Baby als Sinneswesen
Ein Baby ist von Geburt an ein Sinneswesen. Es nimmt die Welt, vor allem aber seine Bezugspersonen, über die Sinne wahr: durch Berührung, Geruch, Stimme, Blickkontakt, Körperwärme. In den ersten Wochen und Monaten geschieht Bindung vor allem über den Tastsinn – durch Körperkontakt, Halten, Tragen, Stillen oder Babymassage.
Wenn ein Baby Nähe spürt, Hautkontakt erlebt, den vertrauten Duft seiner Mama riecht oder ihre Stimme hört, fühlt es sich über seine Sinne sicher, geborgen und in Bindung. Genau hier beginnt Bindung: im sinnlichen Erleben. Diese Bindungsstufe bleibt uns ein Leben lang erhalten.

Wenn Sinnlichkeit zu viel wird – fürsorglicher Selbstschutz in der Adventszeit
Manche sinnlichen Adventserfahrungen aus Kindheitstagen können auch schmerzhaft oder überwältigend sein – besonders dann, wenn sie Erinnerungen an schwierige Erlebnisse wecken. Düfte, Lichter, Musik oder Menschenansammlungen, die für andere wohlig und festlich wirken, können in uns Unruhe oder sogar inneren Rückzug auslösen. Wenn Bindung über die Sinne zum Trigger wird, braucht es Fürsorglichkeit und liebevollen Selbstschutz. Auch das gehört zur Bindung: sich selbst und seine Kinder empathisch zu spüren – und sich vor einem Zuviel zu schützen.
Manchmal zieht sich das Herz nicht aus Verletzung zurück,
sondern einfach,
weil es zu viele Eindrücke sind: zu laut, zu schnell, zu viel.
Zu viele Menschen, zu viel Lärm, zu viele Eindrücke?
Bei uns findet jedes Jahr am 1. Advent ein Weihnachtsmarkt statt. Bevor die Chläuse einziehen, ziehen die Trychler mit ihren grossen Glocken durch die Strassen. Für mich ist das kaum auszuhalten – der Lärm ist einfach zu viel. Ich merke jedes Jahr wieder, wie wichtig es ist, mich selbst ernst zu nehmen und zu schützen: indem ich zum Beispiel den Markt vor oder nach dem Umzug besuche – in einem ruhigeren Moment.
Bindung bedeutet auch, die eigenen Grenzen wahrzunehmen – sich selbst und seine Kinder zu kennen und so gut wie möglich wertschätzend und sinnesorientiert zu begleiten.

Kennst du das auch – dass dir etwas einfach zu viel ist?
Advent – eine Einladung und Erinnerung, uns über unsere Sinne zu verbinden und Nähe zu geniessen
Und genau das verbindet Babymassage mit dem Advent: Wir erkennen, dass wir selbst – ob im ersten Lebensjahr oder mit 80 Jahren – immer noch sinnliche Wesen sind. Düfte von Vanille, Anis, Zimt, Orangenöl und Tannenzweigen, das warme Kerzenlicht, vertraute Lieder, Basteleien, das Kneten von Teig, das Umarmen unserer Kinder und älteren Familienmitglieder – all das spricht unsere Sinne an und lässt uns tief entspannen.
Und mitten darin geschieht: Verbindung. Nähe. Erinnerung. Beziehung.
Wir verbinden uns im Jetzt – bauen damit unsere Zukunft –
und schöpfen Kraft aus der Vergangenheit, die uns Wurzeln und Halt gibt.
Der Advent lädt uns ein, bewusst unsere Sinne als Bindungswerkzeug ganz fest Wertzuschätzen durch unsere Sinne zu leben und zu lieben – und zu spüren: Wir sind geschaffen für Bindung und Beziehung.
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns,
und wir sahen seine Herrlichkeit,
eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater,
voller Gnade und Wahrheit. -Johannes 1,14-
Gott ist nicht nur Geist geblieben, sondern ist uns in Jesus ganz nah gekommen – so nah, dass er selbst Mensch wurde, mit Haut und Haaren, mit allen Sinnen. Gott hat sich auf unsere Welt eingelassen, auf unsere Begrenzungen, unsere Freuden und Schmerzen. Er hat gesehen, gehört, gerochen, geschmeckt, gefühlt – genau wie wir. Das ist Advent und Weihnachten zugleich wir sind Beziehungswesen und unser Schöpfer hat sich ganz auf uns eingelassen um uns Nahe zu sein.
Fazit
Vielleicht ist das der eigentliche Geschmack des Advents: dass wir uns erinnern dürfen, wie sehr wir über die Sinne, tasten, sehen, hören, riechen, schmecken miteinander verbunden sind und entspannen dürfen – damals als Kind wie heute als Erwachsene. Und dass in jeder Berührung, jedem Duft, jedem Lichtstrahl ein Stück wärmende Beziehung steckt. Ein Geschenk, das wir geniessen und an unsere kleinen und Grossen Kinder und Lieben weitergeben dürfen.
„Was berührt dich in dieser Adventszeit über deine Sinne – und wo erlebst du dadurch Verbindung?“
Brauchst du noch eine Geschenkidee zu Weihnachten?
Vielleicht hat in deiner Familie oder im Freundeskreis (Wohnort Romanshorn, Salmsach) jemand kürzlich ein Baby bekommen – wie wäre es mit einem liebevollen und sinnvollen Geschenk: einem Gutschein für einen Babymassagekurs? Schreibe mir bei Interesse über mein Kontaktformular
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Von Herzen wünsche ich dir und deiner Familie eine besinnliche Weihnachtszeit und eine tiefe sinnliche Entspannung. 💞





