Als im November 2022 ChatGPT auf den Markt kam, war ich – wie viele andere – neugierig und offen von Anfang an mit dabei, um herauszufinden, was diese neue Technologie eigentlich ist. Ende 2023 schrieb ich meinen ersten Beitrag über ChatGPT auf einem Business-Netzwerk. Damals wie heute bewege ich mich im Umgang mit KI, der künstlichen Intelligenz, wie auf einem schmalen Grat – begleitet von verschiedenen Fragen :
- Wer bist du?
- Was kannst du?
- Wie definierst du mein Menschsein?
- Wie kannst du mich unterstützen?
Nach drei Jahren habe ich für mich vorläufige stimmige Antworten gefunden. Und darum, was diese Antworten für mich und das Neue Jahr 2026 bedeutet, geht es in diesem Blog.
Künstliche Intelligenz und die Frage nach dem Menschsein
Was KI weiss – und was sie niemals fühlen kann
Gerne gebe ich meinen Beitrag hier so wieder wie ich ihn damals ins Netzwerk geschrieben habe:
“ Vor einiger Zeit gab mir die KI diese Antwort auf eine Frage: „Als KI habe ich keine eigenen Emotionen oder Erfahrungen, da ich keine menschliche Persönlichkeit besitze. Allerdings habe ich im Rahmen meiner Programmierung und der Verarbeitung von Texten und Datenbanken Informationen über Wutausbrüche und ihre Auswirkungen auf die kindliche Psyche gesammelt.“

Künstliche Inteligenz: „Als KI habe ich keine eigenen Emotionen oder Erfahrungen, da ich keine menschliche Persönlichkeit besitze. Allerdings habe ich im Rahmen meiner Programmierung und der Verarbeitung von Texten und Datenbanken Informationen über Wutausbrüche und ihre Auswirkungen auf die kindliche Psyche gesammelt.“
Ich schreibe dazu:
Die KI hat absolut recht. Sie ist und bleibt eine Maschine und hat kein menschliches fürsorgliches Herz. Gut zu wissen im 2024😅 Gut zu wissen, dass sie das weiss 😅 ! Gut zu wissen was sie weiss!
Ein menschliches, warmes, weiches, verletzliches Eltern-Herz 💞 ist in der Beziehung mit dem Kind mit nichts zu vergleichen und für gelingendes Wachstum mit nichts zu ersetzen. Darum werde ich auch im 2024 Baby/Kleinkind-Eltern auf dem Weg begleiten, die besten Eltern für ihr Kleinstkind zu sein. Nicht perfekt aber immer gut genug 😊
Denn Eltern haben einen unverzichtbaren Wert, eine Ehre, eine Würde wenn es um die gelingende körperliche, seelische und geistliche Entwicklung ihrer Kleinstkinder geht👑. Gelingende Bindung und Entwicklung für Eltern und Kinder ist ermutigen, gibt Kraft, Perspektive, Zuversicht und Hoffnung 🌳.
„Bin ich gut genug?“ eine Frage, die unsere Identität berührt
Wenn Selbstzweifel still und unbewusst wirken
Viele Menschen, Eltern tragen diese Fragen meist unbewusst in sich: Bin ich gut genug? Mache ich alles richtig? Es sind Fragen, die oft still und leise die eigene Identität hinterfragen – oder sogar anklagen.
Scham als bindungsbezogene Emotion
Der Entwicklungspsychologe Dr. Gordon Neufeld ordnet Scham den bindungsbezogenen Emotionen zu. Sie entsteht im Zusammenhang mit dem kindlichen Nähe- und Dazugehörigkeitsstreben und hat ihren Ursprung besonders in der Kindheit – jener Lebensphase, in der sich Identität bildet und entfaltet.

Eine Schulerfahrung, die meine Identität geprägt hat
Begeisterung, Hingabe – und ein zerstörender Satz
Lass mich dir eine meiner vielen Geschichte erzählen:
„Ich sitze mit 35 weiteren Schülerinnen und Schülern der Mittelstufe in unserem Klassenzimmer, an meinem Tisch nahe am Fenster. Es ist ein wunderschöner Frühlingsmorgen, und die Sonne scheint in das Schulzimmer. Der Raum ist quadratisch, von zwei Seiten fällt Licht hinein. Vorne an der Wand hängt die Wandtafel, links vorne steht der Lehrerpult, rechts davon ist die Zimmertüre.
Ich bin ein ganz normales Mädchen mit kurzen blonden Haaren, trage eine Hose und einen Pullover. Herr Seiler verteilt die letzten Arbeiten einer Klassenarbeit. In dieser Arbeit habe ich meine Beobachtungen und die Ergebnisse meiner kleinen Forscherreise über die Kaulquappen beschrieben, die ich am Utwiler Weiher beobachtet habe. Mit Begeisterung, Freude und Hingabe war ich bei der Sache und habe alles sorgfältig und voller Interesse aufgeschrieben.
Nun stellt sich mein Lehrer neben mich und sagt: „Karin, auch wenn du die beste Arbeit der Klasse geschrieben hast, wirst du doch nie zu jenen gehören, die dazugehören.“ Er meinte damit zu jenen, die er so fördert, dass sie in die Sekundarschule kommen. Als nächstes liege ich auf der Mädchen-Toilette am Boden. Mir ist schwarz vor den Augen und übel.“
Wenn der Schmerz zu gross wird und das Herz sich verschliesst
Überleben durch inneren Rückzug
Ein Schock. Das ist zu viel für mich, und ich verschliesse den tiefen Schmerz in meinem Herzen, damit ich nicht mehr fühlen und denken muss. So wie mich der Lehrer aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hat, schliesse ich den Schmerz und diese Erfahrung für lange Zeit aus meinem Bewusstsein.

Heute weiss ich: Mit seiner Aussage hat der Lehrer, als Lehrer meine pubertierende Identität verflucht – das Gegenteil von segnen.
Die Scham-Botschaft lautete: „Du gehörst nie dazu. Auch wenn du dein Bestes gibst, reicht es nicht.“
Dabei hat er so vieles übersehen: meine Freude, meine Hingabe, meinen Forscherdrang, mein Interesse, mein Denken, meine Kreativität, meine Menschlichkeit – mein Herz. Wie traurig ist das denn 😭
Auch wenn du dein Bestes gibst, reicht es nicht
Die innere Stimme der Scham
Scham als Folge einer verfluchten Identität ist das Gegenteil von dem, was Kinder brauchen. Kinder brauchen Ehre – ein tiefes Gefühl von Würde, von Willkommen sein, ein Strahlen in den Augen der Eltern, von Wert, von Angenommensein und von Dazuzugehören.
Scham hingegen ist eine tiefe Wunde die das ganze Menschsein betrifft. geschlagen durch die Menschen, die uns hätten lieben und schützen sollen. Sie berührt nicht nur das Verhalten, sondern hinterfragt und klagt ständig das menschliche Sein an und nährte sich aus inneren Sätzen, die aus der Erfahrung entstanden sind, wie aus einer Quelle:
- Du bist nicht gut genug.
- Mit dir stimmt etwas nicht.
- Ich bin ein Fehler.
- Ich mache alles falsch.
- Ich bin dumm.
- Ich schaffe es nie.
- Ich bin schlecht.
- Ich bin böse.
- Ich werde nie erfolgreich sein.
Wenn das menschliche Herz hinter einer Schutzmauer verschwindet
Die funktionierende Hülle – formbar, optimierbar, imitierbar
Diese Scham legt sich wie ein dunkler Schatten über die Persönlichkeit eines Kindes und hilft ihm, sich vor den Augen der anderen zu verbergen – und schliesslich auch vor sich selbst.
Das menschliche Herz zieht sich zurück, verschwindet gewissermassen hinter einer Schutzmauer.
Sichtbar bleibt nach aussen oft nur noch eine angepasste, funktionierende Hülle –
etwas, das heute ebenso gut von einer KI geformt, optimiert oder imitiert werden kann.
Schamgeschichten – zwischen Bösewicht und Held
Wenn Scham unsere Identität bestimmt (der Bösewicht)
Vielleicht hast auch du eine schmerzhafte Schamgeschichte und versuchst – wie ich und viele andere – diese Gefühle durch ständige Aktivität zu überdecken. Ich kenne das gut. Es ist ja auch meine Geschichte.
Und jetzt kommt mein großes Aber: Deine Geschichte – und meine – ist noch nicht zu Ende geschrieben. Wie jede gute Geschichte kennt auch die Schamgeschichte einen Bösewicht und einen Helden.
Der Bösewicht ist nicht die Scham an sich, sondern die Macht, die sie gewinnt, wenn wir ihr als Erwachsene erlauben, unsere Identität weiter zu bestimmen. Wenn kindliche Scham uns einredet, wir seien falsch, nicht genug, nicht zugehörig – und wir ihr als Erwachsene weiterhin glauben und wir in Unsichtbarkeit und Selbstverleugnung weiter hausen.
Wenn wir Scham als Teil des Menschseins annehmen (der Held)
Der Held ist die Entscheidung, Scham und ihre Prägung nicht länger zu bekämpfen oder zu verdrängen,
sondern sie als Teil unserer menschlichen Erfahrung anzuerkennen.
Wenn wir ihr (evtl.. im spielen) Raum geben, sich zu zeigen als das, was sie ist:
ein Emotion, die zum Menschsein gehört – die uns nicht nur von unserem Herzen trennt sondern uns auch wieder mit uns selber verbinden kann.
Damit wir wie neugeboren sichtbar werden dürfen.

Menschliche Persönlichkeit ist ein lebenlang formbar. Das ist unsere menschliche Möglichkeit. In der Bibel Epheser 4,22-24 lesen wir in „Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.“ Das ist unsere Hoffnung 💞 Es geht nicht darum die Scham abzulegen. Das geht ja gar nicht. Es geht darum die Persönlichkeitsanteile abzulegen die durch die Scham das Herz weiter limitieren, klein und unsichtbar halten.
Scham gehört zum Kindsein – aber nicht an die Spitze der Identität
Bindung, Loyalität und das Bedürfnis zu gefallen
Kinder kommen als abhängige Wesen zur Welt. Sie sind darauf angewiesen, dass Erwachsene sie in der Entwicklung einer gesunden Identität begleiten. Dazu gehören Dazugehören, Würde, das tiefe Wissen: Ich darf sein, wie ich bin, und die Erfahrung, dass Eltern loyal an der Seite ihres Kindes stehen. Kinder brauchen Erwachsene, die ihr unreifes Verhalten nicht moralisch bewerten, sondern ihr Herz sehen. Die trösten, führen, schützen und lieben – nicht wegen Leistung, sondern weil das Kind dazugehört. All das steht Kindern zu. Sie müssen es sich nicht verdienen.
Der Entwicklungspsychologe Dr. Gordon Neufeld sagt: Scham gehört zum Kindsein dazu.
Scham Fragen lassen sich somit meistens auf die Kindheit zurückführen.
Kinder wollen ihren Eltern gefallen – aus Bindung und Loyalität. Werden sie jedoch wiederholt entwertet, ziehen sie einen folgenschweren Schluss: Mit mir stimmt etwas nicht. Ich bin falsch. Und genau hier kann die entwicklungshindernde Schamgeschichte beginnen. Doch auch wenn wir unsere Schamgeschichte voller Elend und Schmerzen ist, sie muss trotzdem nicht das letzte Kapitel unseres Lebens sein.
Sie darf Teil unserer Geschichte werden –
nicht als Feind, sondern als Hinweis darauf, dass wir zutiefst verletzliche, menschlich Wesen im Werden sind.

Wenn der Kreis sich schliesst – KI, Selbstoptimierung und Identität
Warum mich KI interessiert – und doch nicht fesselt
Seit drei Jahren beschäftige ich mich mit KI. Beschäftigen ist vielleicht zu viel gesagt – ich chatte mit ChatGPT. Ich nutze es zum Reflektieren und zur Textverarbeitung, und das ist auch schon alles. Aus Neugier habe ich weitere kostenlose KI-Programme ausprobiert, allerdings nur, um festzustellen, dass sie mich nicht wirklich interessieren. Ehrlich gesagt interessiert mich vor allem eines: das Menschsein.
Mamasein – gut genug ohne KI
Im Sinne von: Erkläre mir, KI, das Menschsein. Was ist ein Mensch? Dabei habe ich bemerkt, dass ich mich immer wieder in Fragen der Selbstoptimierung verliere: Wie werde ich ein besserer Mensch? Eine bessere Frau?
Eine bessere Businessfrau? Nur in einem Bereich erlebe ich mich schon lange als gut genug – im Mamasein, im Umgang mit Kindern. Diese Fragen habe ich ganz ohne KI für mich geklärt, zu meiner vollen Zufriedenheit.
Das endlose Kreisen um „Ich müsste besser sein“
Und doch taucht immer wieder die alte Frage auf: Was kann ich noch an mir verbessern, damit ich endlich genug bin – um sichtbar zu werden, um da zu sein? Ich erlebe das als ein ständiges Kreisen um mich selbst.
Und wohin führt das? Genau – ins Nirgendwo und damit finde ich mich wieder im Verloren sein meiner eigenen Gedanken. Gott sei Dank lebt da noch der Heilige Geist in mir, der dieses Kreisen vielleicht mit einem leisen Humor betrachtet, meinen Weg immer wieder korrigiert und mich auf das für mich Wesentliche aufmerksam macht. 😊 Das für mich Wesentliche liegt in einer Entscheidung und darauf komme ich nun zu schreiben..
Ende 2025 – was KI uns über Menschsein zeigt
Was Maschinen können – und was sie nicht sind
Ende des Jahres 2025 sind viele Menschen verunsichert und überfordert. Die Frage liegt in der Luft: Wie sieht die Zukunft mit KI aus? Die Antworten darauf sind individuell und abhängig vom jeweiligen Fachgebiet.
Ich als Mutter, Pädagogin, freie theologische Beraterin und Seelsorgerin sehe es ähnlich, wie die KI sich selbst beschreibt:
„Als KI habe ich keine eigenen Emotionen oder Erfahrungen, da ich keine menschliche Persönlichkeit besitze.
Allerdings habe ich im Rahmen meiner Programmierung und der Verarbeitung von Texten und Datenbanken
Informationen über Wutausbrüche und ihre Auswirkungen auf die kindliche Psyche gesammelt.“
Warum menschliche Verletzlichkeit schützenswert ist
KI ist – und bleibt – eine Maschine. (Das sage ich nicht abwertend sondern dankbar für alles womit sie dem Leben dient.) Und gerade dadurch führt sie uns in dieser Zeit neu vor Augen, was unser Menschsein für uns und unsere Kinder bedeuten kann
Was unterscheidet mich von der KI? Ich bin ein Mensch. Ich bin eine Frau. Ich bin eine Mutter. Und das macht mich wertvoll.
An mir ist nichts falsch. Ich bin ein sensibles fühlendes, verletzliches menschliches Wesen –und genau deshalb bin ich schützenswert.
Achtung Natur- äh Menschschutzgebiet: 😅
Ich bin schützenswert und du auch!

Achtung Natur- äh Menschschutzgebiet: 😅 Ich bin schützenswert und du auch!
Mensch sein oder mich weiter optimieren?
Scham nicht länger verstecken, sondern würdigen
Scham gehört zu meiner menschlichen Erfahrung. Das Gefühl, schlecht zu sein, böse zu sein, nicht zu genügen, es reicht nie, das werde ich nie erreichen, warum, nicht dazuzugehören, sich verstecken zu wollen, unsichtbar zu sein, im Erdboden versinken zu wollen. Für diese Gefühle und Zustände werde ich mich in Zukunft nicht mehr schämen. Ich will sie hochheben – und sogar feiern🎉🎉🎉. Nicht weil sie angenehm sind, nein ganz im Gegenteil 😭😭😭 sondern weil sie meine Lebenserfahrung als Mensch mit meiner ganzen Verletzlichkeit zeigen.
Ich will mich nicht mehr für das schämen, was ich – oder meine Vorfahren – erlebt haben,
und mich nicht länger aus dieser Scham heraus selbst optimieren.
Manche dieser Erfahrungen sind nicht entstanden, weil mit mir/uns Kinder etwas falsch war, sondern weil Erwachsene ihre Verantwortung nicht tragen konnten. Das zu erkennen war ein wichtiger Schritt auf meinem Weg.
Ich bin überzeugt, dass in naher Zukunft entscheidend sein wird, für welchen Weg wir uns entscheiden:
Individuell, als Familie, als Gemeinde, als Volk.
Will ich Mensch sein – mit aller Verletzlichkeit?
Oder wähle ich, bestimmt von Scham, weiterhin den Weg der Selbstoptimierung,
um etwas zu sein, oder werden zu wollen, das ich gar nicht bin?

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