Dieser Blogartikel ist vor einigen Jahren entstanden und lag bis heute – gemeinsam mit weiteren Texten – auf meiner ersten Website bindungs-raum.ch. Diese Website werde ich bis Mitte/Ende 2026 auflösen und die Inhalte Schritt für Schritt überarbeitet auf meinem heutigen Blog veröffentlichen.
Auch nach all den Jahren beziehe ich mich innerlich wie fachlich weiterhin auf die Gedanken dieses Textes. Sie prägen mein Menschenbild, meine Arbeit und meine Haltung gegenüber Kindern, Eltern und Entwicklung bis heute. Identität, Spiel und Kreativität – entwickeln sich in der Beziehung zu Eltern. Besonders dann, wenn Kinder Bindungsruhe erleben. Wenn sie in der Beziehung zu Mama und Papa Vertrauen in ihre Entwicklung erleben.
Identität und Bewegung
Das emergente Wesen des Menschenkindes
Nach Dr. Gordon Neufeld bringt jedes Menschenkind unter anderem das Potenzial mit auf die Welt, ein eigenständiges Wesen zu haben und zu werden. Neufeld nennt dieses ein emergentes Wesen. Emergenz kommt aus dem Lateinischen emergere und bedeutet so viel wie „Auftauchen“, „Herauskommen“, „Emporsteigen“.
Im Italienischen heisst ein Kind zu gebären „dare alla luce“ – was so viel bedeutet wie ein Kind ans Licht zu bringen. Im übertragenen Sinn beschreibt dies die Fähigkeit des Kindes, aus der Gebärmutter herauszukommen, abgenabelt vom Körper der Mutter, aber nicht unabhängig von der Mutter, und zu einem eigenständigen, selbstständigen und adaptiven Menschen heranzuwachsen. Sein menschliches Wesen ans Licht zu bringen.💞
Menschenkinder werden einmal von der Mutter geboren und ans Licht gebracht. Durch ihre Bindungsfähigkeit und das ihnen innewohnende Potenzial entwickeln sie über Jahre der Reifung ihre Identität.
- Wer will ich sein. Spiel und Spass beim Rollenspiel
- Wer bin ich? Spiel und Spass beim Rollenspiel.
«Der Mensch wird am Du zum Ich.»
Martin Buber
Frühe Entwicklung und Vertrauen
Bindung, Bewegung und Sprache als Grundlage der Identitätsentwicklung
Für die Identitätsentwicklung eines Kindes sind insbesondere die ersten Jahre der Bewegung – Spiel – und Sprachentwicklung von Bedeutung. Ich bin davon überzeugt, dass Babys und Kleinkinder, die von ihren Betreuungspersonen Vertrauen in ihre eigenständige, von innen motivierte Entwicklung erleben, sich gut und ermutigt in ihrer Persönlichkeit entwickeln und wachsen.
Im zu-wa Spielraum haben Sie die Möglichkeit, Ihr Kind in einem sicheren Rahmen bei seiner Bewegungs- und Spielfreude zu beobachten. Wir leben in einer Lern- und Bespassungsgesellschaft und kommen manchmal kaum zur Ruhe angesichts all dessen, was wir meinen tun und beeinflussen zu können. Nicht wahr?
Im zu-wa Spielraum dürfen Sie sein – und Ihr Kind beobachten.
Ergänzung. Den zu-wa zusammenwachsen Spielraum habe ich im Herbst 2025 nach vier Jahren geschlossen.
Die Erfahrung und das Kennenlernen des dem Kind innewohnenden Potenzials lassen Sie gestärkt und ermutigt in den Alltag zurückkehren. Die beständige Auseinandersetzung mit der eigenen emotionalen Haltung dem Kind gegenüber lohnt sich. Die Beziehung ist ja für immer.
Menschen können vieles sein oder nicht sein – aber eines besteht für immer: Menschen bleiben das ganze Leben lang Menschen mit Potenzial zur Entfaltung. Das ist sehr ermutigend. Nicht wahr? Persönlichkeitsentwicklung ist so lange wir leben nie abgeschlossen. Das gibt Hoffnung und ist tröstlich. Die Bibel lehrt uns in 1. Johannes 3,2 :
„Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder;
es ist aber noch nicht offenbar geworden,
was wir sein werden.
Wir wissen: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“
Emotionales Spielen und Bewegung
Bindungsspiele und das Nervensystem
„Gugus – da da“ – ein Spiel, das die meisten von uns kennen. Ein Spiel, das die Kleinsten lieben und das einen für kleine Kinder ertragbaren Nervenkitzel und viel Spass beinhaltet. Haben Sie gewusst, dass dieses Spiel das Nervensystem von Kleinkindern kalibriert (einstellt)? Das Kind wird spielerisch auf Trennungserfahrungen mit der Mutter vorbereitet:

Gugus – ich bin weg. Da da – ich bin wieder da.🥰
Seit meinem Studium am Neufeld Institut ist emotionales Spielen eines meiner Lieblingsthemen. Die tiefe Weisheit uralter Bindungsspiele zu entdecken, kann eine schlafende Lebendigkeit in uns wachrufen. Mein vielfältiges theoretisches Spiel wissen wie auch meine langjährigen praktischen Erfahrungen gebe ich in den zu-wa Gruppen weiter. Ebenso basiert mein Clownsspiel unter anderem auf der Grundlage dieser alten, zeitlosen und kulturübergreifenden Spiel-Weisheit.
Ich bin nicht kreativ
Eine persönliche Erfahrung
Als ich meine Spielgruppenleiterinnen-Ausbildung begann, war ich mehr als überzeugt, dass ich nicht kreativ bin. Diese Überzeugung teilte ich meiner damaligen Ausbildnerin gleich zu Beginn ehrlich mit. „Niemand ist nicht kreativ“, war ihre Antwort. Sie überliess mich dem Materialmix, den sie auf dem Boden verteilt hatte. Wir sollten daraus eine Fantasieform ein „Nünteli“ kreieren. In diesem Artikel (Scham, Kreativität und Spiel) beschreibe ich mein Erleben. Mich überkam ein mulmiges, bedrückendes Gefühl von Unbeholfen sein und Angst vor Beurteilung. Ich hätte den Raum am liebsten verlassen. Ich wollte mich mit meinem „Ding“ nicht öffentlich blamieren und schon gar nicht beurteilt werden.
Trotzdem überliess ich mich – so unbeholfen ich mich fühlte – dem Prozess. Langsam entstand etwas. Anstelle öffentlicher Blamage erhielt ich eine erste praktische Lektion über Hingabe und Vertrauen in die eigene Schöpfungs- und Kreativenergie, die in mir nur darauf wartete, entdeckt und freigelegt zu werden.
Kreativität, Verletzlichkeit und Lebendigkeit
Bewusstsein statt Vermeidung
Heute, viele Jahre später, erlebe ich mich auf der einen Seite kreativ und innovativ und auf der anderen Seite hin und wieder erfüllt vom Wunsch, Begegnung mit mir selbst, mit dem Nächsten und mit dem verletzlichen Leben auszuweichen oder zu vermeiden.
Ehrlich muss ich zugeben, dass ich nicht frei bin von Vermeidungsstrategien und dem Wunsch, mich manchmal in Luft aufzulösen, im Erdboden zu versinken, unsichtbar zu werden, zu schweigen oder laut zu werden.
Der Wunsch nach Vermeidung ist verlockend und entsteht meist aus Verletzlichkeit und der damit verbundenen Angst vor Überforderung und Kontrollverlust. Bis heute habe ich meine Vermeidungsstrategien nicht verloren – aber meist die Freiheit gewonnen, sie bewusst zu nutzen oder nicht.
Ich bin auch dem Weg meine Gotteskindschaft zu entdecken und mein Erbe auszuleben 💞
Kreativität ist nicht nur künstlerische Begabung
Sie umfasst den ganzen emotionalen und kognitiven Menschen. Einen Menschen, der bei Rückschlägen und Traumata das Vertrauen in seine Handlungsfähigkeit nicht verliert oder es wiedergewinnt. Er ist resilient und findet alleine oder in Gemeinschaft Wege zur Lösung von Problemen oder zur Krisenbewältigung.
Für mich ist Kreativität: Emotion, Bewegung und Lebendigkeit. Diese Energie ist bei allen Menschenkindern als Potenzial zur Entfaltung für ein eigenständig-adaptives Leben angelegt. Ich spreche aus Erfahrung – denn ich bin selbst von der Gattung Menschenkind.😊🙏
Bist du interessiert an meinem Jüngerschaft Programm für christliche Mütter von Kleinkinder?
Oder hast du Fragen Anliegen?
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Ich freue mich auf dich





